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Donnerstag, 14.Dezember 2017, 2:10 Uhr
6.15 m

Die Geschichte von Blauweiss

Die Geschichte des Ruderclubs Blauweiss Basel beginnt am 30.Juli 1931 mit der Gründung einer Rudersektion des Wasserfahrvereins Rhenania St. Johann. 1944 folgte dann die Verselbständigung unter dem heutigen Vereinsnamen. Das erste eigene Boosthaus konnte 1934 in Friedlingen eingeweiht werden. Kriegsbedingt erfolgte 1938 der Umzug ans Dreiländereck. Schliesslich enstand mit dem Bau des Kraftwerks Birsfelden zu Beginn der 1950er-Jahre ein geeignetes Ruderrevier, welches 1957 mit dem Bezug des dritten Boosthauses auf der Kraftwerkinsel erschlossen werden konnte. Die guten Trainingsbedingungen auf dem Stausee ermöglichten grosse sportliche Erfolge bis in die jüngste Zeit.

Zu Beginn der Dreissigerjahre bildete sich im Wasserfahrverein Rhenania St.Johann eine Mitgliedergruppe, die sich für die Aufnahme des Ruderns in Jollen und Outriggern einsetzte. So kam es am 30.Juli 1931 zur Gründung der Rowing-Sektion des Wasserfahrvereins St.Johann. Die Gründer setzten sich zum Ziel, den Rudersport weiten Kreisen der hiesigen Bevölkerung zugänglich zu machen und die sportliche Ertüchtigung der Mitglieder, sowie die Pflege der Kameradschaft zu fördern. Die Rowing-Sektion war nun nach dem bereits 1884 gegründeten Basler Ruderclub die zweite Rudergemeinschaft in Basel, welche das sportliche Rudern pflegte. Mit knappen finanziellen Mitteln wurden die ersten Boote, je ein ausgemusterter Vierer und Achter, sowie eine neue Yole-de-mer erworben. Aufgrund der durchaus «wilden» Wasserverhältnisse des noch nicht durch Kraftwerke regulierten Rheins stand deshalb anfänglich das Yolenrudern im Vordergrund. 

Erstes Bootshaus und die Jahre in Friedlingen

Wegen der engen Platzverhältnisse im Depot der Rhenania St.Johann und dessen ungünstige Lage am steilen Rheinbord schaute man sich deshalb schon im Jahre 1931 nach einer geeigneteren Trainingsbasis um und fand diese vorerst in Augst in der sog. «Busswerft» am Stausee des Rheinkraftwerkes. Die für damalige Zeiten von der Stadt abgelegene Lage und grosse Probleme mit Vandalismus liessen nach anderen Lösungen suchen. Zu diesem Zeitpunkt war das Kraftwerk Kembs im Bau. Es war daher nahe liegend, sich diese Perspektive zunutze zu machen. Bereits 1932 konnte auf der sogenannten Schusterinsel in Friedlingen, etwa 500 m von der Landesgrenze, Land gepachtet werden. Im folgenden Jahr wurde mit dem Bau eines neuen Bootshauses begonnen, welches  am 5./6. Mai 1934, verbunden mit einer Ruder-Regatta unmittelbar vor dem Clubhaus, eingeweiht wurde. Bereits 1936 gab es eine Neuauflage dieser Regatta. Den Zuschauern der Stauseeregatten wurde sogar die Möglichkeit geboten, ab der Schifflände mit einem Begleitschiff die Wettkämpfe unterhalb von Basel zu verfolgen!

Am 22.November 1931 wurde die Rowing-Sektion als Mitglied des Schweizerischen Ruderverbandes aufgenommen. Die Voraussetzung für eine baldige Teilnahme an den Ruderregatten war damit geschaffen. Die Regattaeinsätze bewegten sich allerdings vorerst in einem äusserst bescheidenen Rahmen. Es waren lokale Begegnungen mit dem Basler Ruderclub, wie z.B die Basler Flussregatta und die Herbstregatten usw., welche die Impulse für das Wettkampfrudern bei der Rudersektion auslösten. Der erste Regattaeinsatz erfolgte an der Clubregatta des BRC am 13.September 1931. Erstmalig hat die Rowing-Sektion am 14.August 1932 in Stansstad an einer auswärtigen Ruderregatta in der Vierer-Jolle teilgenommen. 

Existenzkampf und Rudern

Die schwierige Situation der Rowingsektion infolge der ungünstigen Weltwirtschaftslage und der dramatischen politischen Spannungen, welche man in der Grenzregion ganz speziell zu spüren bekam, bremste aber vorerst die sportliche Entwicklung drastisch. Trotzdem stellten sich bald die ersten Früchte der seriösen sportlichen Betätigung ein, konnte doch 1934 der erste Schweizerische Jollen-Meister gefeiert werden. Aber auch im Outriggerboot versuchte man den sportlichen Anschluss an die nationale Spitze zu schaffen. Regelmässig wurden Regatten in Strassburg und vor allem auf dem Rotsee besucht. Einfach waren die Regattenbesuche seinerzeit keineswegs, mussten die Boote doch per Bahn an die jeweiligen Regattaorte transportiert werden. Nach Strassburg wählte man gar den Schiffstransport. Durch diese aufwändige Transportart waren die Boote jeweils längere Zeit im Club nicht mehr verfügbar, was oft zu unliebsamen Trainingsunterbrüchen führte. Um die Bootstransporte zu vereinfachen, konnte 1938 ein Zugwagen der Marke DeSoto (Baujahr 1928) für 50 Franken erworben werden. Dazu wurde eigens ein Bootstransportanhänger konstruiert. Der Zugwagen wurde 1954 verkauft, der mehrfach umgebaute Anhänger versah seinen Dienst bis Mitte der 80er-Jahre.

Die Regattaresultate zeigten aber, dass der Ruderstil der Rowing-Sektion noch nicht vollkommen war. Mit der Umstellung der Rudertechnik von der oberkörperbetonten orthodoxen Rudertechnik zur Beinstosstechnik des Fairbairnstils, welcher ein Quantensprung in der Technikauffassung Mitte der 30er-Jahre war, versuchte man den Anschluss zu finden. 

Um auch im Winter adäquat trainieren zu können haben sich die Ruderer der Rowing-Sektion einen stationären Ruderapparat mit vier Plätzen gebaut. Anfänglich war dieser Ruderapparat im offenen Rhein, später in der Badanstalt St.Johann, dann sogar im Gartenbad Eglisee installiert gewesen. Allerdings war dort die Wasserfläche sehr schnell gefroren, sodass ein Training bei grosser Kälte nicht mehr möglich war. 1938 konnte der Ruderapparat im Lernschwimmbecken des Hallenschwimmbades installiert werden.

Mitten in der Rudersaison 1938 kam mit der Kündigung des Baurechtsvertrages für das Bootshaus in Friedlingen seitens des badischen Wasserwirtschaftsamtes, der Befehl zum Abbruch des Bootshauses und der vollständigen Räumung des Geländes. Innert vier Wochen musste das kaum fertig erstellte Bootshaus abgebrochen und das Gelände geräumt sein! Das Clubgelände wurde für den Bau der Befestigungsanlagen der Siegfriedlinie (Westwall) konfisziert. Nachdem die Kündigung vorlag, wurde sofort versucht, Land für ein Bootshaus zu erhalten. Bereits im Juni 1938 kam vom Schifffahrtsamt die Zusicherung für einen Landkomplex, welcher sich unmittelbar entlang der Landesgrenze vom Hiltalingerzoll bis an den Rhein erstreckte. Der erneute Aufbau wurde durch knappe Geldmittel und monatelange Abwesenheiten der im Aktivdienst stehenden Ruderer nach der Kriegsmobilmachung sehr erschwert und zog sich bis ins letzte Kriegsjahr hin. Der Rudersport konnte nur unregelmässig und nur noch im Stadtgebiet ausgeübt werden, denn die Grenzen waren gesperrt. Jeder Ruderer benötigte zur Begehung des Bootshauses und zum Befahren des Rheins einen militärischen Ausweis seitens des Basler Stadt-Kommandos.

Als 1944 das Bootshaus wieder einigermassen da stand, kam der alliierte Vorstoss ins Oberelsass. Das Bootshausareal am exponierten Dreiländereck geriet in den Feuerbereich der Kriegsgegner. Unter Lebensgefahr wurde der Bootspark, mit Ausnahme des bereits schwer beschädigten Achters, evakuiert. Nach Kriegsende mussten etliche Durchschüsse im Bootshaus und an den zurückgelassenen Booten festgestellt werden. Schliesslich wurde am 7.Oktober 1944 das Kraftwerk Kembs von den alliierten Streitkräften bombardiert, was eine Absenkung des Rheinstaus um mehrere Meter zur Folge hatte. Für zwei weitere lange Jahre gab es keinen Stausee und somit kein vernünftig ruderbares Wasser mehr. Trotz aller Probleme wurde das wieder aufgebaute Bootshaus am 1.September 1945 eingeweiht.

Selbständigkeit

Während des Wiederaufbaus des Bootshauses in Kleinhüningen reifte der Entschluss sich selbständig zu machen. Eine solche Verselbständigung der Rudersektion kam erstmals im Januar 1941 im Vorstand zur Sprache. In der Folge galt es, etliche Streitpunkte in langwierigen Verhandlungen zu lösen. Mit der Gründungsversammlung am 9.Dezember 1944 erfolgte schliesslich die Loslösung vom Hauptverein und die Festlegung des neuen Namens Ruderclub Blauweiss Basel.

Nach dem Kriegsende wurden wieder neue Pläne geschmiedet, besonders bezüglich der Vergrösserung des Bootsparks. Die Anschaffung eines neuen Achters wurde akut. Dank freiwilliger Mitgliederspenden und einer ansehnlichen Sport-Toto Subvention konnte das schnittige Boot im August 1949 anlässlich der Basler Rheinsporttage und in Gegenwart einer mehrtausendköpfigen Schar Schaulustiger getauft werden, wobei ihm der treffende Name «Setzkopf» zukam. Mit dem erneuten Vollstau des Rheins im Jahre 1947 konnte der Ruderbetrieb mit neuem Elan wieder aufgenommen werden. Eine junge Achtermannschaft fand sich zusammen und errang im In- und Ausland prächtige Siege. Dank des Impulses durch das neue Achterboot und den Anstrengungen der Sportleitung war es gelungen, Rennmannschaften zu bilden, die gerade im zwanzigsten Jubiläumsjahr 1951 zu ganz erfreulichen Erfolgen im In- und Ausland gelangten.

Drittes Bootshaus

Im Zuge des grossen Aufschwungs der Rheinschifffahrt nach dem Krieg, wurden auch Projekte zur Überbauung des Bootshaus-Geländes diskutiert. Mit dem 1951 beschlossenen Bau des Kraftwerks Birsfelden eröffneten sich neue Möglichkeiten. In einem Kraftakt musste das alte Bootshaus bestmöglich verkauft, ein baureifes Projekt ausgearbeitet, Geld gesammelt und Subventionen erwirkt werden. Am 23.Juni 1956 konnte der Baurechtsvertrag mit dem Kraftwerk Birsfelden unterzeichnet werden und bereits am 29.Juni 1956 wurde mit dem Bau des neuen Bootshauses begonnen, welches am 19.April 1957 eingeweiht werden konnte. Mit rund 3600 Stunden Fronarbeit hatten die Mitglieder des Ruderclubs Blauweiss zum dritten Mal innert 25 Jahren in selbstlosem Einsatz einen grossartigen Beitrag zur Verbesserung der Infrastruktur des Ruderclubs Blauweiss geleistet. Wie gut dieses dritte Bootshaus durchdacht war, zeigt sich daran, dass es noch heute ohne grundlegende í„nderungen seinem Zweck dient. In den Jahren seit dem Bau wurden immer wieder verschiedene Anpassungen an neue Bedürfnisse vorgenommen und auch werterhaltende Sanierungen durchgeführt.

 

Archivbilder 1934-1963

Erstes Bootshaus in Friedlingen (D), welches 1934 erbaut und 1938 wegen den deutschen Kriegsvorbereitungen geräumt werden musste.
Blauweiss «Vierer mit» um 1938 vor der Hüninger Schiffbrücke, welche 1872 erbaut wurde und 1944 von einem Hochwasser zerstört wurde.
Eigener Bootstransport am Rotsee 1938. Der Anhänger wurde bis in die 80er-Jahre verwendet.
Zweites Bootshaus am Dreiländereck. Der Wasserspiegel ist 1947 aufgrund der Kriegsschäden des Kembser Stauwehrs mehrere Meter abgesenkt.
«Ruderkiste» am Ponton des zweiten Boosthauses.
Besichtigung des Rohbaus des dritten Bootshauses auf der Kraftwerkinsel Birsfelden 1956.
Besichtigung der neuen Bootshalle anlässlich der Einweihung des dritten Boosthauses 1956.
Das neue Bootshaus erhielt einen Trainingsraum mit Ruderbecken. Mittlerweile nehmen die modernen Ruderergometer dessen Platz ein.
1963 musste wegen des gefrorenen Rhein das Wassertraining zu Fuss durchgeführt werden.

Eckdaten

Gründung

30.Juli 1931

Mitglieder 

etwa 200, davon etwa 60 aktive

Bootshaus

auf der Kraftwerkinsel Birsfelden

Ruderrevier

Rhein zwischen Augst und Birsfelden

Boote

mehr als 30 Boote, vom Achter bis zum Einer

Ruderbetrieb

Leistungsport im Elite- und Juniorenbereich, Breitensport, Wanderrudern, Ruderkurse

Geruderte km/Jahr

> 40 000

Erfolge

43 Schweizermeistertitel
29 Teilnahmen an Olympi­schen Spielen, Welt- und Europa­meister­schaften
Medaillen
2 Bronzemedaillen an Europa­meister­schaften 
1 Bronzemedaille an Olympischen Spielen
1 Silbermedaille an Junioren­weltmeister­schaften
1 Junioren-Weltmeistertitel