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Donnerstag, 22.Oktober 2020, 2:10 Uhr
5.41 m

Rudern als Fitnesssport

Rudern ist eine moderne Sportart.  Interessanterweise wird sie nur von einem bestimmten Typus von Mensch wahrgenommen, der bereit ist, sich über einen langen Zeitraum regelmässig körperlichen Belastungen auszusetzten. Engagement, Willensstärke, Zielstrebigkeit sind dabei wichtige Attribute, die dem Rudern zugeschrieben werden.

Im RC Blauweiss Basel wird Fitnesssport sowohl in der Trainings- und Regattaabteilung als auch im Breitensport gelebt. Der Trainings- und Regattaabteilung unseres Clubs ist besonders für Fitnessruderinnen und Ruderer geeignet, die geführte Trainings mit Trainingsplan anstreben und gerne auch mal ein work-out lieben. Schweiss und Muskeln gehören dazu und machen Spass. So trainierende Ruderinnen und Ruderer bestreiten schon auch mal eine Regatta. Die Grenzen sind fliessend.

Neben Rudern als Wettkampfsport, spielt Fitness- und Freizeitrudern sowie Wanderrudern eine wichtige Rolle. Rudern wird in den Vereinen nicht mehr alleine als Leistungssport verstanden sondern zunehmend als sportliche Betätigung verstanden, bei der körperliche Fitness und gesellschaftliches Leben einen hohen Stellenwert haben.
Als eine der wenigen Sportarten kann Rudern von der Kindheit bis ins hohe Alter ausgeübt werden. Rudern eignet sich hervorragend als Reha Sport für Herz-Kreislaufkranke und Personen mit orthopädischen Problemen. Natürlich sind auch Velofahren Tennis oder Wandern gesund, betrachtet man aber auch Kalorienverbrauch oder Verletzungsgefahr schneidet rudern gut ab.

Ein Boot, zwei Ruder, Hunderte trainierte Muskeln! Mit dieser simplen Erfolgsformel schaffte es Rudern in einer Studie des deutschen Magazins „Focus“ über die gesündesten Sportarten der Welt schon vor einigen Jahren auf den zweiten Platz. Nur der Triathlon ist „gesünder“. Ja und wirklich: je nachdem wie intensiv wir auf unserer Fitness Strecke rudern, verbrennen wir mindestens 600 Kalorien in der Stunde.
In der Zeitschrift „Medizin populär“  listet Wolfgang Kreuziger, der ehemaliger Profi Ruderer ist einige  Gesundheitliche Aspekte des Rudern auf. Er zitiert hier Christoph Schmölzer,  Arzt, Zahnarzt und 4 – facher Ruderweltmeister. Ich habe den Text  leicht anders strukturiert, inhaltlich aber nicht verändert. 

Interessant sind die Dinge aus Ihrer persönlichen und medizinischen Sicht. Gesündeste Sportart?  „Zu Recht, denn keine andere Sportart trainiert so viele Muskeln und gleichzeitig auch Kreislauf und Koordination. Aus dieser Sicht ist es als Freizeitsport die ideale Disziplin für Jedermann“, schwärmt Schmölzer. „Ich selbst kann mir ein Leben ohne Rudern nicht vorstellen“, verrät er. „Für mich hat es meditativen Charakter, beim Training auf dem Fluss oder See die wechselnden  Farben der Bäume im Gleichklang mit den Jahreszeiten vorbeiziehen zu sehen.“ Doch auch abseits aller persönlichen Schwärmereien kennt die Medizin heute die vielen Trümpfe, die Rudern als „Universalgenie“ unter den Freizeitsportarten ausspielen kann:

Der menschliche Körper wird von rund 650 Muskeln bewegt, nahezu alle davon werden beim Rudern beansprucht. „Das ist einzigartig und kann von kaum einer anderen Sportart geleistet werden“, erklärt der Arzt und Vierfach-Weltmeister.
Die meiste Arbeit beim Rudern fällt den Beinen zu, auch Arme, Hüfte, Rücken und Oberkörper werden, wie man danach deutlich spürt, stark beansprucht. „Insbesondere die Region Bauch, Beine und Po wird extrem gefordert. Dadurch stellt Rudern eine ausgezeichnete Alternative etwa zu Aerobic dar und tut der Figur gut.“

Laufen erst einmal so viele Motoren gleichzeitig im Körper heiß, ist Koordination gefragt – also quasi ein „Muskel-Management“. „Steigt ein Sportler zum ersten Mal ins Boot, ist es für ihn fast unmöglich, die Technik sauber ausführen“, weiss Schmölzer. „Um die parallel arbeitenden Muskelschleifen etwa vom Arm über Oberkörper, Hüfte bis hin zu den Beinen in den Griff zu bekommen, braucht es Übung. Die aneinander Kettung dieser Muskelbewegungen macht Rudern zu einer der koordinativ anspruchsvollsten Sportarten überhaupt. Vergessen darf man nicht die innere Muskulatur wie Herz, Nieren und  Lunge.

Wenn das Ruderblatt dann kräftig durch das Wasser stösst, werden vom Akteur rasch 60 Prozent seines maximalen Pulswertes überschritten. Seine Ausdauer wird ab diesem Zeitpunkt ebenso effektiv trainiert wie bei den für diesen Zweck häufig gewählten Sportarten Laufen oder Schwimmen. „Gerade diese Kombination von Muskel- und Ausdauertraining macht Rudern so einzigartig“, sagt der Sportarzt. Das elegante Dahingleiten auf dem Wasser wird dadurch zum besonders effektiven Training für Herz und Kreislauf, während gleichzeitig Problemen wie Bluthochdruck oder Kurzatmigkeit entgegengearbeitet wird.

So unglaublich es klingt – Rudern setzt nachweislich den Prozess der „Hippokampalen Neurogenese“ in Gang. Das bedeutet, dass dabei neue Nervenzellen entstehen, die das Gehirn aufnahmefähiger machen. Schmölzer: „Das liegt an der Vielseitigkeit der Bewegung, die die kleinen grauen Zellen eben mehr auf Touren halten als zum Beispiel das Joggen.“ Weiterer mentaler Zusatznutzen: Rudern in freier Natur kann auch als Stimmungsaufheller bei Depression und Trübsinn sehr hilfreich sein.

Ob Frau, Mann, alt oder jung – beim Rudern können die unterschiedlichsten Athleten symbolisch und faktisch gemeinsam an einem Strang ziehen. Der erforderliche Teamgeist bringt eine besonders starke soziale und erzieherische Komponente zum Tragen. Auf den britischen Inseln etwa haben Rudern daher als Schulsport große Tradition. Schmölzer: „Auch die Integration Behinderter kann sehr effektiv über Rudern erfolgen.

Als Freizeitsport ausgeübt, ist Rudern so verletzungsarm wie kaum eine andere Sportart, einzig kleine Druckstellen und Blasen an den Händen können einem den Spaß verderben. „Es wird ja nicht mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet wie etwa beim Laufen“, erklärt Schmölzer. „So werden Gelenke und Wirbelsäule geschont. Selbst im Leistungssport sind Verschleisserscheinungen selten, aber wie bei allen Extrembelastungen dennoch nicht ganz auszuschließen.“

Der Rudersport ist für nahezu jeden geeignet. Nur Epileptiker und Menschen mit Wirbelsäulenproblemen oder anderen bereits bestehenden Verletzungen sollten Vorsicht walten lassen. „Und selbst da kann die Ausübung je nach Einschränkung manchmal therapeutische Wirkung haben. Dies muss aber im Vorfeld ärztlich abgeklärt werden“, rät der dreifache Familienvater. Kindern empfiehlt er nicht vor dem zwölften, 13. Lebensjahr mit dem Rudern zu beginnen. „Das größte Problem liegt in der Ergonomie, weil ihnen die Boote meistens deutlich zu groß sind.“
Nach oben hin gibt es altersmäßig kein Limit, selbst bis tief hinein in das siebte und achte Lebensjahrzehnt gebe es meist keinen Grund, das Ruder aus der Hand zu geben. Das gilt für Schmölzer umso mehr, als er Boot und Ruder nicht nur als reine Trainingsgeräte sieht, sondern zugleich als Lebensschule, bei der man nie ausgelernt hat. „Dieser Sport lehrt, im wahrsten Sinne des Wortes im Gleichschlag mit den Mitmenschen zu agieren.

Trotz der ganzen hier verbreiteten Ruder-Euphorie muss erwähnt werden, auch wenn Wissenschaftler Rudern als gesündesten Sport überhaupt bewertet haben - ein paar Risiken birgt es natürlich schon. Der positive Nutzen überwiegt zwar im Rudern überaus deutlich (der Ausdauer- und der Kraftfaktor) aber:
Auch wenn  Leistungsruderer regelmässig ärztliche Bescheinigungen vorweisen müssen, es gibt im Rennrudern einige typische Risiken, die insbesondere bei falscher Technik oder aber mangelnder sportmedizinischer Überwachung auftreten können. Dies sind Bereiche an den Kniegelenken, der Wirbelsäule, dem Herzkreislauf System und anderen. Eine Kontrolle des Herzvolumens sollte jedoch bei Rennruderern regelmässig stattfinden.

Mit richtig beigebrachter Technik und angepasstem Trainingsvolumen sinkt aber das ohnehin schon vergleichslos niedrige Gesundheitsrisiko stark ab. Und im Breitensport geht das Verletzungsrisiko gegen  null - bis auf die Schwielen an den Händen.  Und die gehören fast dazu. (VF)

(Quellen: SRV, DRV, MEDIZIN populär, med. Journale, FOCUS.de, Nolte/Fritsch: Master Rudern-Training ab 40,  andere)