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Donnerstag, 2.April 2020, 0:40 Uhr
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Die Geschichte des Ruderns

Die ersten Anfänge dessen, was wir heute unter dem Begriff „Rudern“ erfassen, reichen mehrere tausend Jahre zurück. Noch bevor die Welt die Nutzung von Wind und Segel kannte  diente das Ruder bei vielen Völkern als Antriebsmöglichkeit von Transportmitteln, (also Boote, Flösse aber auch Schiffe), erfüllte aber auch wichtige Aufgaben bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Reliefzeichnungen in Ägypten sowie der Fund eines Ruders bei Duvensee in Schleswig Holstein beweisen, dass bereits 8000 bis 10000 Jahre v. Chr. das Ruder zur Fortbewegung auf dem Wasser genutzt wurde. (quelle: Rish.de). Wir Ruderer haben also eine lange Tradition. Auch wenn die ursprüngliche Funktionen heute fast nicht mehr genutzt werden.

England ist Mutterland des Rudersports
Als das Mutterland des heute in der ganzen Welt üblichen sportlichen Ruderns ist England anzusehen. Die Motivation den Bootsantrieb zu kriegerischen Zwecken zu nutzen, trat mehr und mehr in den Hintergrund. Als Segelschiffe die Ruderboote aus Handel und Kriegsführung verdrängten, setzte sich beim Rudern dort der sportliche Aspekt allmählich durch. Bootsschiffer und Fährleute fingen an Rennen zu veranstalten. Schon 1715 wurden auf der Themse die ersten Rennen durchgeführt, es waren Berufsschiffer und Fährleute, sogenannte Watermen, die ausserhalb ihrer Arbeitszeit im Einer gegeneinander um die Wette ruderten. Mit dem Rennrudern war auch das Rudern als "Sport" geboren.

Schulen und Universitäten fördern den Rudersport

Die englischen Bildungseinrichtungen (meist Universitäten)  sorgten in 18 und 19 Jahrhundert für die massgebliche Entwicklung unseres Rudersportes. Am 10. Juni 1829 wird das berühmte Oxford-Cambridge Achterrennen ausgetragen, ein sich jährlich wiederholendes, sportliches und gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges. Als in London von Akademikern und Kaufleuten eigene Rudervereine gegründet wurden, gelangte der Rudersport von den Bildungseinrichtungen des Landes in breitere Bevölkerungsschichten. Mit der Gründung der Henley-Regatta im Jahr 1839 entwickelte sich Rudern zum nationalen Sport in England. Zahlreiche andere große Regatten, wie z.B. die Maidenhead-Regatta, die Regatta in Liverpool und die Norwich-Regatta trugen zur weiteren Verbreitung des Rudersports bei und führten auch zu Neuerungen im Bootsbau und in der Rudertechnik, zur Erfindung des Auslegers, des Rollsitzes, der Drehdolle. (Quelle: RC Monheim)

Engländer bringen Rudern als Sport nach kontinental Europa
Junge englische Kaufleute brachten den Rudersport nach Deutschland. Die Handelsstadt  Hamburg führte zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit England einen regen Schiffs- und Handelsverkehr, was die festen Niederlassungen englischer Kontore und Geschäfte notwendig machte. Diese Geschäftsleute gründeten im Jahr 1830 den "English Rowing Club", aus dem sich 1836 der ,,Union Boat Club" entwickelte. Die englischen Boote, die den Alsterbooten an Schnelligkeit weit überlegen waren, fanden bei der Jugend in Hamburg sehr schnell großes Interesse. Der Sohn eines Hamburger Patriziers kam auf die Idee, das Rudern auch unter den Deutschen einführen zu können, um mit den Briten um die Wette fahren zu können.

Vor Rennsport zum Fitness und Freizeitsport
Diese Rennen gab der Sportart den Schub, der für die anschließende Verbreitung sorgte. Es war letztlich aber das gesellschaftliche und ökonomische Umfeld und der Wertewandel jener Zeit der die Verbreitung unterstützt hat.
Die Entstehung des modernen Rudersports im viktorianischen England des 19. Jahrhunderts wird verständlich, wenn man den tiefgreifenden, sozialen Wandel durch die Industrialisierung berücksichtigt. Der Wettbewerb verschärfte sich, der Sinn für technische Planung und Organisation wurde größer und durch die vermehrte Freizeit erhöhte sich das Interesse an sportlicher Freizeit - Betätigung. Zwar wurden nach wie vor Rennen zum Kräftemessen der Clubs und Universitäten ausgefochten, schwächere Ruderer engagierten sich weiter auch ohne an Rennen teilzunehmen. Gleiches galt für kontinental Europa.
Rudern ist ein Sport der schon lange boomt. Die gestiegene Freizeit der Gesellschaft vor allem aber auch das Wissen um die Wichtigkeit von Fitness und Gesundheit hat die Mitgliederzahlen in den Vereinen zum Wachsen gebracht. Die Vereine haben reagiert und Ihr Ruderangebot auf eine breitere Basis gestellt. Es entstand der „ Breitensport“, der eigentlich nichts anderes ist als ein Angebot an die Mitglieder zu rudern; sei es aus Fitnessgründen, Suche nach sozialen Kontakten und Netzwerken immer mit dem klaren Hintergrund des Rudersportes.

Rudern in der Schweiz
Auch bei uns in der Schweiz übt Rudern als Fitness- und Breitensport einen grossen Reiz aus. Dabei hat Rudersport hat auch in der Schweiz eine lange Tradition, wurde doch der Schweizerische Ruderverband bereits im Jahre 1886 gegründet!  

Zürich als Wiege des  Schweizer Rudersports
Die eigentliche Schweizer Rudergeschichte begann indes in Zürich. Vier kraftstrotzende einheimische Metzgerburschen vergnügten sich 1862 im Zürcher Seebecken. Dort begegneten ihnen zwei schlanke, eher schmächtige britische Studenten. Nach einigen radebrechenden Wortgefechten vereinbarten die ungleichen Crews mit ihren Mietbooten ein Rennen. Anfänglich führten die Zürcher, doch schon bald überholte der leichte Zweier den schweren Vierer und ward nicht mehr gesehen: Sieg der Technik über die Muskeln. Dies alles,33 Jahre nach dem ersten Boat Race Oxford – Cambridge.

Am 18.6.1983 wurde der erste Club  der Seeclub Zürich in der Schweiz aus der Taufe gehoben. Gegründet von hochrangigen Zürichern Bürgern mit den Club Sektionen: Rudern, Segeln, Stacheln. Einen Tag später kommentierte die NZZ: «Wie verlautet, werden Schritte gethan, um nach dem Beispiel anderer passend gelegenen Städte einen Seeclub für Zürich und Umgebung ins Leben zu rufen, dessen Zweck nicht nur darin bestände, durch Herstellung eigens hiezu gebauter Schiffe und durch Veranstaltung von nautischen Spielen, die hiesige Schifffahrt zu beleben, sondern auch um bei allfälligen Unglücksfällen auf dem Ausfluss der Limmat hülfreich wirken zu können. Wir begrüssen dieses zeitgemässe Unternehmen umso freudiger, als es unserer Stadtbevölkerung eine Fülle neuer interessanter Genüsse in Aussicht stellt. Einen passenderen Spielraum als unseren schönen Zürichsee können wir uns überhaupt nicht denken. Von Herzen wünschen wir deshalb der Sache kräftige Unterstützung und frisches Gedeihen

Erste Regatten am Zürichsee

Die ersten Regatten am See waren durch finanzielles Interesse gesteuert. Um Mittel für Boote zu beschaffen, inszenierte der umtriebige Neuling in der Küsnachter Bucht publikumswirksame «antike Pfahlbauer-Regatten». Aber auch die 18 Aktiven wurden zur Kasse gebeten. Den Beitrag von 24 Franken konnten sie in Monatsraten von 2 Franken abstottern. Den «Pfahlbauern» folgten Schlag auf Schlag die modernen Rennen: 1869 erste Zürichsee-Regatta, 1883 erste internationale Regatta im Auftrag der Landesausstellung, 1887 erste Schweizer Meisterschaft anlässlich der Einweihung der Quaibrücke. 1901 kam unter Einbezug des SRV die erste EM in die Schweiz.

Das Schweizer Ruderzentrum befindet sich heute in Sarnen und befasst sich mit Themen im Leistungs- und Breitensports. Dort finden Weiterbildungsmöglichkeiten und andere interessante Schulungen statt.

Aktuell sind fast 80 Clubs. mit ca. 13'000 gemeldeten Mitgliedern dem Verband angeschlossen. Und Nota Bene: Davon sind 80-90% Fitness Ruderer. Nicht zu vergessen, dass ein Teil der heutigen Fitnessruderer ehemalige Wettkampfruderer sind. Das Fitness und Freizeitsport Zentrum des Ruderns ist sicher in Zürich. 19 Vereine in und um Zürich bieten Rudern ans Fitness und Breitensport an.

(Quellen: SRV, RISH, RC Monheim, NZZ, DRV, andere)