Rudern auf dem Guadalquivir
Schon Wochen vor dem Abflug wurde ich gebeten, von unserer Ruderwoche mit Row & Row in Sevilla zu berichten. Wenn es kein Roman sein soll, antwortete ich Roman, und er war damit einverstanden. Notizen während der Ruderwoche waren schnell gemacht, schwieriger ist es jetzt den endgültigen Bericht zu schreiben. Ich werde nicht zu viel nachdenken, es soll eine lockere Mischung von allem sein: dem Rudertraining, dem Fluss mit den sieben Brücken, der wunderschönen Stadt und lustigen Gegebenheiten mit Land und Leuten.
Anreise
Am Sonntag den 3.April trifft sich eine kleine Gruppe von sechs Blau-Weisslern am Flughafen in Basel. Hansi, Heinz, Roman, Justus und Mathias sind sich einig: Ich solle ihre Anstandsdame sein. Kein Problem, das wollen wir hoffen, antworte ich, aber erst nachdem ich eine ausführliche Zollkontrolle hinter mir habe. Und ausserdem, füge ich hinzu, ich schreibe ja alles auf!
Als wir dann am Flughafen in Sevilla vom Row & Row - Team in Empfang genommen werden, das Ruder in Uelis Händen war wirklich nicht zu übersehen, erledigt sich das Thema Anstandsdame von selbst. Zwei nette Frauen aus Biel, Sylvia und Karin, stossen noch auf unsere Gruppe. Justus' Gepäck ist leider in Las Palmas de Mallorca geblieben, aber auch dieses Problem wird noch gelöst werden.
Bei einem Glas Wein und Chips im Sporthotel stellen sich unsere Trainer Ursula Wehrli, Ueli Bodenmann und Raphael Tschupp vor. Sie nennen sich «Vollblutruderer» und seien «vom Virus Rudern befallen». Wenn bis dahin jemand von uns den Virus noch nicht hatte, wurde er hier wahrscheinlich angesteckt.
Jeder von uns bekommt ein gelbes T-Shirt mit der Aufschrift: «Sleep, Eat & Row», was (von mir) ergänzt mit «Enjoy Sevilla» das Motto unserer Ruderwoche darstellt. Dementsprechend wird zur Tat beziehungsweise zum Wasser geschritten und noch in der Abendstunde, das Wetter ist kühl, der Himmel bewölkt, werden die Boote ins Wasser gelassen. Justus bekommt Sportsachen ausgeliehen und Hansi steigt trotz starkem Husten, der später selbst noch zu Hause in Basel von einigen der Sevilla-Husten genannt werden sollte, ins Boot.
Nur ich schwächele und bleibe mit einer Magenverstimmung an Land. Dort versuche ich dann herauszufinden, ob Justus' Gepäck mit dem nächsten Flugzeug nachkam und vergewissere mich, dass es auch an die richtige Adresse kommt. Dank diesen Umständen lerne ich schon früh den vollständigen Namen unseres Hotels kennen:
Centro Especializado de Alto Rendimiento de Remo y Piragüismo «La Cartuja».
Der Name «Hochleistungssportzentrum» flösst uns Respekt ein, und in der Tat sind die übrigen Sportler aus aller Herren Länder sehr gross und sehr muskulös. Ob wir auch an Muskeln zulegen werden, rutscht es da einem von uns über die Lippen.
Es wird trainiert
Unser Programm besteht aus zwei betreuten Ausfahrten pro Tag plus Ergometertraining. Uns wird erklärt, dass Row & Row Rudern auf dem Wasser sowie auf dem Ergometer bedeutet. Bei den betreuten Ausfahrten sitzen die Trainer meistens bei uns im Boot. Zusätzliche Ausfahrten sind immer möglich und werden von nicht wenigen unter uns auch gemacht. Zwei Vierer, zwei Zweier und drei Skiffs stehen uns zur Verfügung, tadellose «Filippi»-Boote von Ursula mit dem Anhänger aus der Schweiz hierher gefahren.
Ein Video hilft dabei, uns die korrekte Ruderbewegung noch einmal ganz zu vergegenwärtigen bevor wir mit der die Praxis beginnen. Von Anfang an wird Wert auf den korrekten Beinstoss gelegt, der dem Boot den richtigen Impuls gibt, denn: 70% der Kraft kommt aus den Beinen, 20% aus dem Rücken und nur 10% aus den Armen. Am Ergometer lässt uns Ursula regelrecht spüren, was es heisst, sich mit den Armen und Schultern nur passiv hängen zu lassen und mit den Beinen zu stossen: Sie bindet ein Band um den Handgriff und beim Stoss kommt man so fast ins Stehen.
Auf dem Wasser wird mit grosser Disziplin immer wieder ein langsamer Schlagaufbau geübt.
Vom Kantinenessen sind nicht alle begeistert, aber dafür vom guten «Café con leche» den wir in den Pausen geniessen (laut Mathias «glücklichmachender Kaffee»). Das Wetter ist nun sonnig und nicht zu heiss, und immer geht ein leichter Wind, der den zarten Duft von Orangenblüten zu uns treibt.
Das Fazit von Ueli am ersten Tag nach dem letzten Training: Alle Boote sind gelaufen, das Niveau ist gut.
Auf geht’s in die Stadt zum Tapas-Essen. Was für ein Spurt durch die Innenstadt! Ich frage mich, ob das das Schweizer Flaniertempo ist, oder der Hunger, der so antreibt. Doch einmal im Restaurant geht es dann gemütlich zu, und die verschiedenen Tapas, die in grossen Tellern auf den Tisch gestellt werden, munden allen wunderbar: Queso, Jamí³n serrano, Calamares, Ensaladilla rusa, Plato de huevo, Lechuga con atíºn.
Mit dem Fahrrad durch die Altstadt von Sevilla
Das morgendliche Training war etwas ernüchternd: Es ist eben doch nicht selbstverständlich, dass das Boot steht!
Ich schliesse mich heute den Bielerinnen an und miete auch ein rotes Klappfahrrad. Kurz vor Mittag wird es mir ins Hotel gebracht. Ich fange an, das Formular auszufüllen und halte kurz inne: Welches Datum haben wir denn heute, denke ich laut. Das weiss ich auch nie, antwortet mir der junge Spanier mit einem freundlichen Lächeln, ich arbeite sieben Tage die Woche, da sind alle Tage gleich.
Kurz darauf fahren wir drei Frauen zum Mittagessen in die Altstadt, teilweise entlang am Gualdalquivir und oft auf Radwegen. Die Stadt macht einen fröhlichen Eindruck, die Häuser sind weiss, gelb, orange und rot angestrichen und die Orangenbäume bieten Grün und Schatten. Die unzähligen Strassencafés und Restaurants sind gut besucht, das Leben der Sevillaner spielt sich hauptsächlich auf der Strasse ab oder in den kleinen Kinderschuhläden, deren Schaufenster so gross sind wie der Laden selbst und in denen man durch die Scheibe hinter den unzähligen Kinderschuhen in den buntesten Farben die Kinderwägen, Mütter und die Kinder sieht. Platz zum Schuheanprobieren scheint es gar keinen mehr zu haben. Oft fällt unser Blick auch auf Flamenco-Kleiderläden: Lange Kleider mit und ohne Rüschen und in knalligen Farben.
Wir fahren bis zur Giralda, die grosse Kathedrale ist das berühmteste Bauwerk der Stadt. Aus der Zeit der Maurenherrschaft übriggeblieben sind noch der Turm und ein Innenhof mit Orangenbäumen. In einer Nebenstrasse finden wir ein kleines Restaurant und bestellen kleine Portionen Tapas. Vor allem der gegrillte Ziegenkäse mit Honig und die Schweinelendchen an Whiskysauce sind mir in guter Erinnerung. Während wir noch nach südländischer Art einen Kaffee trinken, kommt Mathias auf uns zu: Er hat die Mittagspause genutzt, um die Kathedrale zu besichtigen.
Der Heimweg auf den Rädern ist etwas beschwerlich wegen starken Gegenwinds. Zurück im Hotel bleibt noch Zeit für eine Siesta. Ich denke noch einmal an den jungen Spanier vom Fahrradverleih zurück. Wer arbeitet in der Schweiz sieben Tage die Woche und behält sein Lächeln? Vielen von uns fällt auf, dass die Menschen hier fröhlicher sind als in der Schweiz. Die Lebensbedingungen sind in Spanien und insbesondere in Andalusien nicht leicht: Arbeitslosigkeit war schon immer ein Thema und das erst recht jetzt, da Spanien immer noch stark die Krise spürt. Damit wird das Leben weniger planbar und eine Art darauf zu reagieren ist mit Humor nach dem Motto: Carpe diem, morgen könnte es noch schlimmer kommen. Sieben Tage die Woche arbeiten, da fällt die extreme Zweiteilung des Lebens, wie wir sie oft hier kennen, in Arbeit einerseits und Freizeit andererseits, weniger ins Gewicht. Eine Art darauf zu reagieren ist, die Arbeit nicht zu ernst zu nehmen und das Leben insgesamt nicht zu leicht. Manch einer hier in der Schweiz steht nach einer kräfteraubenden Arbeitswoche am Wochenende da, will sich partout amüsieren und fühlt sich doch irgendwie leer.
Meinen Gedanken wird ein Ende gesetzt, es steht ein Ergometertraining mit Ueli auf dem Programm. Dabei geht es vor allem darum, den richtigen Druckpunkt zum Einsatz zu finden, gleich den Widerstand zu spüren, denn jetzt kommt der grösste Krafteinsatz. Danach übernimmt der Rücken und schliesslich die Arme. Wir üben alle gleichzeitig mit Ueli kleine und grosse Pyramiden: stufenweiser Schlagaufbau und stufenweiser Schlagabbau, manch einer von uns verliert dann doch den Rhythmus von Ueli!
Videoaufnahmen und Flamencoabend
Heute Morgen werden Videoaufnahmen gemacht, und ich glaube alle sind etwas nervös. Ueli und Raffi begleiten ein Boot nach dem anderen im Motorboot und filmen. Besprochen werden soll der Film erst morgen, denn der Mittwochnachmittag steht zu freien Verfügung. Dann sind wir mal gespannt!
Wir Frauen spüren, dass unsere Muskeln Erholung brauchen und so brechen wir am Nachmittag auf, um die Stadt zu erkunden. Karin hat alles bestens organisiert: Zuerst fahren wir auf einem Doppeldeckerbus durch die Strassen Sevillas, und danach besichtigen wir die Kathedrale (La Giralda): Der Innenraum des neugotischen Gebäudes ist beeindruckend gross, es befinden sich hier unzählige Kapellen reichlich mit goldverzierten Schnitzereien geschmückt. Vom Turm aus geniessen wir lange die Rundherumsicht über die Dächer der Stadt und entdecken immer wieder etwas Neues. Die Brücke «Puente del Alamillo» ist von Weitem zu sehen, gleich daneben befindet sich unser Sportzentrum. Beim Abstieg laufen wir Nick in die Arme und trinken mit ihm zusammen noch ein Glas Wein. Das Ereignis des Abends ist dann aber die Flamencoaufführung. Diese ist sehr auf Touristen eingestellt und alles geht sehr schnell: das Auftragen des Essens, gleichzeitig der Gesang und der Tanz, und schliesslich anderthalb Stunden später das Bezahlen, da am selben Abend noch eine zweite Aufführung angeboten wird.
Wir sitzen sehr nahe an der hölzernen Bühne, was auch gefährlich werden kann: Die letzte Tänzerin fegt mit ihrem Kleid das Weinglas eines Zuschauers geradeso (natürlich unabsichtlich) vom Tisch. Nichtsdestotrotz bekommen wir einen Eindruck von Flamenco, der von rauen, tiefen Frauen- und Männerstimmen gesungenen Musik mit Gitarrenbegleitung, die fast immer vom Verlust einer Liebe, Leid und Ungerechtigkeit handelt. Dazu tanzen anmutige, stolze Frauen und Männer, die mit den unheimlich schnellen Schritten auf der hölzernen Bühne auch den Takt angeben.
Den Abend lassen wir in einem der zahlreichen Strassencafés am Ufer des Guadalquivirs ausklingen. Die Uferpromenade beim Viertel Triana ist belebt, und von hier aus kann man auch die Brücke «La Triana» in Ruhe betrachten: Es ist eine imposante Eisenkonstruktion aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Vor Ursula liegt eine riesige rote Sonnenbrille aus Plastik, und wir machen uns einen Spass daraus sie anzuprobieren. Als der Strassenverkäufer dann noch einmal vorbeikommt entscheidet sich Karin zum Kauf von drei weiteren Brillen: für unser Frauenboot morgen!
Unsere Männer sind den ganzen Nachmittag noch gerudert. In einem Rennboot übers Wasser zu gleiten macht eben süchtig!
Bevor Ueli die Videoaufnahmen am nächsten Morgen mit uns bespricht, meint Heinz, er solle nicht so streng sein, wir hätten kein so dickes Fell. Doch Ueli betont, dass es reine Momentaufnahmen sind und schon morgen alles ganz anders sein kann. Zuerst kommentiert er das Boot als Ganzes: Stimmt die Dynamik, steht es im Wasser? Dann kommen die einzelnen Ruderer dran und das sorgt für so manche Überraschung: Das Zeitlupentempo zeigt ganz genau, ob der Ablauf der Ruderbewegung mit Beine, Rücken, Arme, Arme, Rücken und Beine stimmt. Oje, da gibt es noch einiges zu verbessern.
Trotzdem sind wir uns alle einig, dass solche Aufnahmen sehr, sehr, lehrreich sind: Manchmal reicht es nicht, etwas gesagt zu bekommen, man muss es sehen.
Das Experiment Riemenvierer der Männer und «Rudern ist die ideale Sportart für Frauen»
Auf Wunsch des Basler Männerteams Justus, Roman, Hansi und Heinz hatten Ursula und Ueli auch die Ausrüstung für einen Riemenvierer mitgenommen. Ueli gibt heute der oben genannten Mannschaft eine ausführliche Einführung in das doch technisch anspruchsvollere Riemenrudern. Nach dem ersten Training sehen die Männer ziemlich müde aus und sind sehr wortkarg : Das hatten sie sich einfacher vorgestellt! Aber am Abend sind doch alle sehr zufrieden und stolz auf die neue Erfahrung.
Ursula und Ueli war von Anfang an aufgefallen, dass wir Frauen in Männerbooten oft nur mit-rudern, d. h. zwar nicht stören, aber unsere Kraft auch nicht mit ins Boot einbringen. Deshalb nimmt sie uns heute in einem Vierer aufs Wasser, und mit unseren roten, riesigen Sonnenbrillen sind wir nicht zu übersehen. Wenn es bei den Männern am Anfang hiess, erst einmal die Kraft aus dem Schlag zu nehmen, so ist es bei uns Frauen umgekehrt. Unser Thema heisst: kräftiger Beinstoss, damit Dynamik ins Boot kommt. In einem Frauenboot ist das tatsächlich einfacher zu üben, da das Boot nicht zu schnell ist und die Kräfte gleichmässiger verteilt sind.
Das Fazit von Ursula am Abend ist: Traut euch zu, kräftig mit den Beinen zu stossen, auch wenn mal ein Stoss nicht exakt kommt, so könnt ihr eure Kraft auch in Männerbooten mit einbringen. Und: Rudern ist die ideale Sportart für Frauen.
Unter den sieben Brücken hindurch zum Hafen
Heute fahren wir zum ersten Mal die ganze ruderbare Strecke des Flusses ab, die unter insgesamt sieben Brücken hindurchführt. Während wir rudern sind wir doch sehr auf die Bewegungen des Vordermanns konzentriert (insbesondere die Ellenbogen!), aber in den Verschnaufpausen geniessen wir den Blick auf die Brücken und die Altstadt und machen einige Fotos.
Ursprünglich wies der Flussverlauf des Guadalquivirs in der Gegend Sevillas Verzweigungen und Zusammenführungen auf, die Inseln entstehen liessen. Seit dem 18. Jahrhundert hat der Mensch stark in die Flusslandschaft eingegriffen. So ist der Flussteil, der durch die Stadt fliesst, heute fast ein stehendes Gewässer und damit ideal zum Rudern.
Unser Sporthotel liegt direkt am Fluss, nahe am ehemaligen Gelände der Weltausstellung 1992, zu deren Anlass auch mehrere Brücken gebaut wurden. Flussaufwärts kann etwa anderthalb Kilometer gerudert werden, die Ufer sind grün und auf der linken Seite liegt der Park «El Alamillo». Flussabwärts bieten sich gut zwei Kilometer einer sehr geraden Flussstrecke, dies ist die Regattastrecke auf der 2002 die Ruderweltmeisterschaften stattfanden. Gerudert werden kann noch weitere vier Kilometer: Zur Rechten liegt das Viertel «La Triana», zur Linken die Altstadt mit dem «Torre del Oro» und den Gebäuden der ibero-amerikanischen Ausstellung von 1929 bevor man schliesslich zum Hafen kommt.
Ein Kreis schliesst sich
In der gleichen Bootsbesetzung wie am Anfang wird die letzte Ausfahrt gemacht. Auch das Wetter von der ersten Ausfahrt holt uns wieder ein. Zuerst ist es sonnig und warm, aber von weitem sehen wir eine Wolkenwand, auf die wir dann beim Hafen treffen und die uns auf der Rückfahrt begleitet: Es ist kühl und windig geworden und sieht nach Regen aus. Der Abschied fällt somit weniger schwer, zügig riggern wir die Boote ab und verstauen sie auf Ursulas Anhänger. Ach, da kommt ja noch ein Boot an den Steg: Hansi und Roman im Doppelzweier. Hey, keine Starallüren!
Ursula, Ueli und Raffi verabschieden sich sehr herzlich. Für Ursula waren wir ein sehr gutes Team, nicht nur sie hätten uns Trainierende motiviert, sondern wir auch sie. Ueli stellt fest, dass die Ziele erreicht sind: Jeder habe seine Rudertechnik verbessert und er wünscht uns, dass wir noch so lange wie möglich auf dieser «Welle» weiterreiten. Werden wir machen!
Wie man uns einen Käse verspricht und wir dann doch ohne nach Hause geschickt werden
Es ist acht Uhr abends, was liegt da näher als sich in ein Bistro an die Bar zu setzen und erst einmal ein Bier zu trinken? Und warum nicht ein bisschen «Jamí³n serrano» probieren? Da die Spanier um diese Uhrzeit noch nicht zu Abend essen, sind im Bistro nur vereinzelt Leute, und die Kellner haben Zeit, sich mit uns zu unterhalten und uns ihre Spezialitäten zu empfehlen, die wir schliesslich nach und nach fast alle probieren (als Tapas!). Wir erfahren, dass der Schinken ein Jahr in Salz eingelegt und noch ein weiteres an der Luft getrocknet wird, bevor man ihn isst und sehen, dass es eine Kunst ist ihn richtig zu schneiden. Dafür gibt es den «Cortador» unter den Kellnern. Und dann bietet ein besonders netter Kellner uns diesen Käse an. Er heisst «Queso del Valle» und käme aus dem Geburtstort von Pedro Almodovar. Ob wir ihn kaufen wollen? Er koste 40 Euro. Wir malen uns aus, wie wir zu Hause im Club einen Sevilla-Apéro veranstalten, dazu würde dieser wunderbare Käse gut passen. Das Bistro hat sich mittlerweile gefüllt, es ist ein ständiges Kommen und Gehen, geht hektisch zu und der nette Kellner von gerade eben ist nicht mehr zu sehen. Wir brechen auf und ich frage freundlich nach dem Käse, könnten wir ihn kaufen? Der Kellner schaut mich entsetzt an, nein, da würde er entlassen werden, das ist der Käse für die Kundschaft hier. Ein Spanier neben mir mischt sich ein: Das stimmt nicht, was er sagt, glaube ihm nicht. Die Gemüter schlagen hoch (auch das von Hansi), und ich will noch erklären, dass uns der Käse angeboten wurde, sonst hätten wir ja gar nicht gefragt, aber das Gespräch nimmt seinen Gang: wann wir fliegen würden, ob wir nicht im Corte del Inglés noch einen Käse kaufen könnten, und dass man diesen Käse auch noch schwitzen lassen müsse vor dem Verzehr. So verlassen wir das Bistro zwar ohne Käse, aber um einige Erfahrungen reicher.
Abschied
Nach einem gemütlichen Sonntagmorgenspaziergang durch das Stadtviertel La Macarena und einem Mittagessen in der Altstadt sitzen wir im Sporthotel bei einem letzten «Café con leche» und lassen die vergangene Woche Revue passieren.
Alle würden wir gerne wiederkommen. Ein grosses Lob gilt den Trainern, die die Woche sehr gut organisiert haben: Die Trainingseinheiten waren durchdacht und damit sehr effizient. Jeder hat seine Rudertechnik verbessert und was vielleicht noch wichtiger ist: Wir kennen das Gefühl, wie stabil ein Rennboot im Wasser stehen kann, wie effizient damit der Krafteinsatz wird und das Boot so fast zum Fliegen kommt. Mit diesem Ziel vor Augen können wir jetzt trainieren, uns gegenseitig immer wieder korrigieren und unser Wissen auch an andere weitergeben. An dieser Stelle auch ein Lob an Frank, denn Ueli fiel auf, dass die Blau-Weiss-Basler eine gute Rudergrundlage mitbringen.
Wir hoffen sehr, dass diejenigen Breitensportler unter uns, die vom «Rudervirus» befallen sind, auch weiterhin die Möglichkeit finden auf Rennbooten zu rudern und sich ständig zu verbessern.
Somit bin ich nun am Ende. Ist der Bericht zu lang, ist es doch ein Roman geworden? Roman fragen!
Katharina Isele





